17. Vilmschwimmen 22-08-2015

Vilm? Wo ist das denn?! Na, Rügen! Genauer noch: Eine kleine Insel vor der Insel. Der letzte Stopp des Mecklenburger Allrounder Open Water Cups ist das Schwimmen von der Insel Vilm in den Hafen Lauterbach der Insel Rügen. Ein echtes Open Water Event. Einmal 2.500m quer über die Ostsee. So dramatisch, wie’s hier klingt, ist es aber nicht. Als wir Freitag Abend losfahren, wissen wir noch nicht, auf was wir uns eingelassen haben. Die Aufgabe der 2.500m kann uns aber nach den vergangenen Wochenenden nicht mehr erschüttern. Ob Gegenwind, Strömung oder Wellen, nichts kann uns aufhalten, wir werden ankommen.

Badekappe

Die Glückskappe

Wir sind gegen 21.00 Uhr in Putbus angekommen, diesem kleinen, weißen Bade(kur)Ort der Insel und obwohl ich schon das ein oder andere Mal auf Rügen war, stelle ich fest, dass es hier unerwartet schön ist. Die weißen Villen, der Park, das ist schon toll.

Lauterbach ist der ausgestreckte linke Arm von Putbus. Denn der Ort hat keinen direkten Strand. Lauterbach, so lernen wir, wurde nach einer Fürstin benannt und quasi die Endstation vom Rasenden Roland. Im Hafen ein paar sehr sehr teure Yachten und die kleinen Ausflugsschiffe zu den umliegenden Touristenzielen. Wir sind erstaunt, denn hier ist schon das ein oder andere Zelt aufgebaut – sind die alle für uns Schwimmer geplant? Die Hafenmole ist vollkommen in Beschlag genommen, alle sind da: DLRG, Wasserwacht, Seenotretter und wie sie alle heißen.

Am Morgen ist die Anmeldung schon um 7.00 Uhr für Besucher geöffnet und so ist unser erster Weg gleich in die Seenotretter-Bude. Hier gibt’s gleich das ganze Paket: Müllbeutel für den Kleidungswechsel (ja, das kennen wir schon!), etwas Proviant, diesmal grinsen die Minions aus dem Beutel auf der Verpackung der Fruchtzwerge „BANANA“!!! Essensmarke, Duschgel, Teilnahmemedaille und Zeitmess-Chip. Bei bestem Wetter ist der Wettkampf gut besucht, die Anmeldung wird später absolut überlaufen sein.

Jetzt haben wir noch ein wenig Zeit, um vor dem Start zu frühstücken. Andreas hat heute Geburtstag und er hat sich mit seinen Wünschen kurz gefasst: Essen! Gegen 9.30 Uhr verlassen wir den Hafen auf der „Julchen“ – dem Boot, was uns quer über die Schwimmstrecke zur Insel bringt und uns den sehr sehr hungrigen Mückenschwärmen aussetzt. Das ist der Grund, warum ich in Badebekleidung gleich mit in den geräumigen Müllbeutel flüchte. Auf dem Anleger der Insel trennen sie diejenigen, die noch einen kurzen Blick über die schöne Urwaldinsel werfen wollen von denen, die nur einen lockeren Smalltalk mit den Mitschwimmern halten möchten. Und schon werden wir eingewiesen. Die Müllbeutel verlassen uns in der „Julchen“ – die jetzt mit den vielen grauen Müllsäcken aussieht wie die schwimmende Müllabfuhr – und werden uns später im Umkleidezelt wieder gereicht.

Vor der Insel Vilm

Vor der Insel Vilm

Wir lachen über die Badekappen, denn dieses Jahr ist es wie verhext: Ich verliere diese dämlichen dünnen Kappen jedes Mal. Mein Glück: Ich trage immer zwei übereinander. Meine „private“ bleibt mir gut auf der Frisur, die Kappe drüber rutscht schrecklich. Warum ich besseren Wissens nicht zum Friseur gehe, bleibt vorerst unser Geheimnis. Wer aber einen Haarbusch in der Größe eines Storchennests unter einer Mütze verstaut, kann sich mein „kleines“ Problem gut vorstellen. Am Ende fahre ich wieder einmal nur mit einer Badekappe heim…

Die Route ist klar, die Wellen nicht hoch, die Strömung aber ordentlich. Wir tauchen ins Wasser und reihen uns auf. Im Wasser treffe ich auf unerwartete Sportteamschwimmer, der Smalltalk hört also bis zum Startschuss nicht auf.

Und los geht’s! Die roten Tonnen im Auge, geht es quer durch die trübe Ostsee, die aber nichts weiter als ein paar Quallen und einige rempelnde Mitschwimmer bereit hält. Aber die Kollisionen halten sich in Anbetracht der Masse an Schwimmern (ca. 360 sind am Start) in Grenzen. Schnell zieht sich das Feld auseinander. Andreas und ich kämpfen seit zwei Tagen mit einem Infekt und sind nicht ganz so leistungsfähig wie bei den Schwimmen zuvor. Eine große Beeinträchtigung ist das zwar nicht, aber das Schwimmen geht nicht so locker wie sonst.

Das Ziel ist nah, hier wird nicht angeschlagen, sondern der Zeitchip nach dem Verlassen des Wassers gescannt. Da meine Technik, nach einem anstrengenden Schwimmen mittels einer Leiter aus dem Wasser zu steigen, recht seltsam ist (ich bevorzuge es, mit den Händen nach den Stufen zu tasten, und dann erst mit den Füßen…) – empfing mich auch gleich besorgtes medizinisches Personal. Nee, mir geht’s gut, ich laufe immer rot an nach Anstrengungen, alles normal… Na gut, ich werde zum Umkleidezelt begleitet, ein Ohnmachtsanfall bleibt aber dementsprechend aus.

Ich durfte, was viel schlimmer war, auch nicht auf Andreas warten, der vier Minuten hinter mir anschlug – schade, er überraschte mich also vor meinem Zelt. Er ist super durchgekommen, empfand das Schwimmen als gelungen. Wir zogen uns um und eilten (<- ja, Ihr kennt uns schon gut…) zum Einlösen unserer Essensmarken. Diesmal mit Erbsensuppe und Wurst aus der Gulschkanone *ein Traum* Essen geht immer. Andreas‘ Geburtstagswünsche werden erfüllt. Und Glück hat, wer schnell schwimmen kann, der kriegt das Gute von oben und nicht das Dunkle von unten.

Nach etwa 111 Minuten kommen dann die letzten Schwimmer an, hier wird wenigstens auf jeden gewartet – dies hier ist eben ein echtes Volks-Schwimmfest! Mit Applaus werden die letzten begrüßt. Wenig später dann die Siegerehrung. Andreas ist mit seinem 17. AK Platz zufrieden, und da ich dieses Mal eine sehr starke Altersklasse erwischt habe, ist meine flotte 38er Zeit leider nur der 4. Platz. Und weil es ohne Treppchen eben doch nicht geht, wird Andreas als Geburtstagskind im Zuge der Sonderwertungen des Tages überraschend auf die Bühne gebeten und erhält sein Ehrengeschenk.

Die glücklichen Kämpfer

Die glücklichen Kämpfer

Doch unser Hauptanliegen war ja die Komplettierung der Mecklenburger Allrounder Open-Water-Cup-Wertung. Die haben wir also mit der Goldmedaille (somit 5 absolvierten Strecken in MV) abgeschlossen und freuen uns über eine gelungene Tour durch die schönsten Schwimmen durch Mecklenburg. Ohne diesen Ansporn wären wir sicher nicht quer zur Ostsee gereist, um in Greifswald 40 Minuten nass zu werden. Diese Tour ist spitze, sie hat uns an schöne Badeorte gebracht und hielt jede Menge Abenteuer bereit. Die Mitschwimmer waren alle freundlich, mit vielen kam man gleich ins Gespräch und ein bisschen wehmütig denke ich daran, dass es so eine Breitensport-Wertung in Schleswig-Holstein/Hamburg (noch) nicht gibt.

Den Stempeln der Wertung sind wir zwar öfter hilflos hinterhergelaufen, aber am Ende haben wir alle Einträge bekommen und stehen mit den anderen Teilnehmern aufgereiht zum Siegerfoto vor der Bühne in Lauterbach. Das Foto wird bestimmt in Kürze auf der „Facebook“-Seite des Events veröffentlicht.

Das tolle Wetter und die hervorragende Organisation haben die weite Anreise relativiert. Wir genießen noch ein wenig die Stimmung, tauschen Erfahrungsberichte aus und machen uns dann auf den Weg zurück, um in Stralsund noch einen Stopp im Brauhaus am Hafen einzulegen, um Andreas Geburtstag noch einmal in Ruhe zu feiern. Hier stärken wir uns für den weiten Heimweg in entspannter Hafenatmosphäre.

Link zur Veranstaltung

http://www.vilmschwimmen.de/

Facebook

https://www.facebook.com/Vilmschwimmen

Bei Rügen Aktuell

http://www.ruegen-aktuell.de/ruegen_aktuell/sport_fitness1/16_vilm_schwimmen_in_lauterbach

Allrounder-MV Open Water Cup 2015

https://www.facebook.com/GermanAllrounderOpenWaterCup

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