7 Türme Triathlon Lübeck 15-06-2014

Hätte ich gewusst, dass dieser Tag gut ausgeht, wäre ich morgens nicht so schlecht gelaunt gewesen. Na, so schlecht vorbereitet wie auf den heutigen Tag bin ich selten in einen Wettkampf gestartet. Wettkampf heißt hier nur gegen seinen eigenen Schweinehund, denn in der Liga der „echten“ Triathleten spielen weder Andy noch ich mit. Meine erste olympische Distanz steht an. Ich bin total aus der Form, Schwimmen und Rad wären ok, Laufen sicher nicht.

Meine Freundin B. schlug schon vor, den Wettkampf zu splitten – Schwimmzeit, Radzeit und dann locker zu Ende laufen. Was für ein Plan. Mein Plan hingegen: Geben, was drin ist, aber nicht überziehen, um nicht ganz leer zu laufen.

Ok – und wenn laufen nicht mehr passt, dann eben nicht und aufhören.

Damit konnte ich Frieden schließen. Wir packen die Sachen zusammen, mein bestelltes Laibchen kam nicht pünktlich, also musste ich in ziemlich komischer Montur antreten. Unter dem Neo versteckte ich Sport-BH, Unterhose und Laufhose. Ziemlich unbequem, aber beim Schwimmen stört mich wenig. Vorsichtshalber noch die Vaseline einschmieren und alles andere ins Körbchen packen. Kompistrümpfe? Naja, mitnehmen, aber ich fragte mich schon beim Einpacken, wie ich nach dem Schwimmen da hineinschlüpfen könnte… Ein Radtrikot nehme ich auch noch mit – darin kann ich auch laufen.

So, ab geht’s Richtung Lübeck Zentrum. Wir kommen pünktlich, finden einen entspannten Parkplatz und checken ein. Es ist nicht mehr viel vorzubereiten. Die Wechselzone ist entspannt und wir finden einen Premiumplatz.

Zum Schwimmstart geht es auf die andere Seite der Brücke. Das Wasser ist ziemlich schlimm, brackig und trübe. Aber egal: Schwimmen ist toll, da hab‘ ich immer Bock drauf. Wir warten die letzten 5 Minuten zum Start ab und positionieren uns in der Strömung, die ganz schön zu spüren ist.

Jetzt wird mir bewusst: wenn der Startschuss fällt, werde ich keine Minute mehr mit dem Gedanken verbringen, dass dieser Wettkampf ein Fehler war. Es geht los. Alle Gedanken weg. Platz behaupten. Rhythmus finden. Nach 500 Metern wird das Feld etwas angenehmer. Vorher war Geprügel.

Um die Bojen, jetzt Gas geben, Zuschauer an der Kaimauer registrieren. Applaus – gebe ich mir auch ein wenig, denn ich fand mich mutig, hier zu starten. Über die Rampe geht der Ausstieg, ich muss nachfassen, denn die Beine wollen noch nicht unter den Körper. Hinein in die Wechselzone. Nun verdödel ich hier richtig Zeit, das Radtrikot rollt sich zu einer angreifbaren Wurst unter die Schulterblätter.

Der Zorn ist verraucht, als ich auf der Radstrecke bin. Jetzt nur noch Reintreten. Jetzt mal gucken, ob sich die langen Einheiten gelohnt haben. Haben sie. Auch wenn Hinz und Kunz an mir vorbeifliegt, bleibe ich dabei und komme gut zurecht, bis sich in der zweiten Runde mein Sattel erst lockert, und dann in der dritten Runde am seidenen Faden hängt. Entspannt radeln ist anders. Ankunft Wechselzone muss ich tatsächlich meine Einzelteile des Sattels von der Straße aufklauben und verstauen.

Als ich darauf endlich loslaufe, trippeln die Füße eher zum lockeren Joggen. Hier muss ich erst mal in einen Rhythmus finden. Das dauert. Bis dahin hechle ich mir einen ab. Über die erste Brücke bekomme ich Luftnot und sehe wahrscheinlich auch so aus. Mitleidige Blicke. Zaghaftes Anfeuern. Menno, mir geht’s gut!

Ich laufe weiter die erste Runde. Dann kurze Trinkpause, jetzt werden die Beine schwer. Eine halbe Runde später muss ich mich und meinen Kreislauf bremsen. Und kurz gehen. So geht es die letzten Kilometer. Zu hoch geheizt. Egal, durchbringen. Irgendwann bin ich überzeugt, ins Ziel zu kommen. Trotz einer miesen Laufleistung. Ich hatte auf einen Wettkampfbonus gehofft. Na gut.

Ich finishe unter 3 Stunden, erreiche mein Ziel und bin ganz froh, alles geschafft zu haben.

Am Ende springt ein 2er AK-Platz, die zweitbeste Schwimmzeit und die fünftbeste Radzeit heraus. Darauf sollte ich stolz sein 😀

 

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