(Verkehrs-) Inseltriathlon Ratzeburg 24-08-2014

Schürfwunde, die untere

Schürfwunde, die untere

Ja, diese Erfahrung war schmerzhaft. Jetzt habe ich mich entschlossen, darüber zu berichten, möge sich jeder ein Beispiel dran nehmen 😀 Es ist nicht alles Zucker im Sportlerland. Also:

Warum auch immer, ich hatte Vorahnungen und Träume mit dramatischen Verkehrsunfällen und wäre ich nicht so stur, wäre ich vermutlich an meinem Aberglauben gar nicht erst angetreten. Besonders motiviert sind wir beide nicht, als es in aller Herrgottsfrühe ins Auto mit Ziel Ratzeburg geht. Halbherzig gepackt, kaum aufgeregt, noch einen Thermosbecher Kaffee und los.

Den Weg kennt der Bus ja bereits. Die Fahrt völlig problemlos, aber immernoch ziemlich müde beten wir darum, dass das Wetter hält, denn wir sind Weicheier, die nur einen Grund suchen, um eben nicht an den Start zu gehen. Es regnet und wir machen lange Gesichter. Als es aufklart, rennen wir zur Startnummernvergabe und kommen schnell an die begehrten Dinger. Bevor ich den Chip verbasele, binde ich mir den schnell mal um – das bin ich gewohnt, denn in letzter Minute verlege ich zu gern wichtige Sachen.

Im Bus der nächste Schauer, wir machen uns also drinnen fertig. Es ist draußen saukalt. Ob das eine gute Idee war, nur mit dem Triathlonleibchen anzutreten? Vermutlich nicht. Zumindest gegen kurz vor acht ist es hier lausig kalt.

Wir checken hinter einem markanten Bäumchen in die olympische Zone ein. Rad da, Schuhe da – kein Luxus, kein Cremchen, kein Spezialgebräu, vollkommen Basic bin ich heute unterwegs.

Also weiter. Barfuß, im Dress aber mit kurzem Neo hüpfe ich schon vor Kälte hin und her. Die anderen kritisieren ebenfalls das kalte Wetter – eklige Bedingungen verbinden und lassen so manche Nachbarschaften entstehen. Trotzdem sind alle gut gelaunt. Die Mitteldistanz ist schon auf dem Weg im Wasser und spurtet an uns vorbei. Wir müssen einen Haken schlagen, um zum Start zu kommen, denn die ersten sollen uns bald entgegen kommen. Also nix blauer Teppich, barfuß über die Steine.

Das Einschwimmen ist der Himmel, denn das Wasser ist heute wärmer als die Luft und das Wasser hat gerade mal 18° C. Ok, ich bin keine Memme, das wird schon gleich warm werden *gg*

Der Start gelingt spielend, so langsam bringt mich hier nichts mehr aus der Ruhe. Gleich volles Tempo, schei** auf Krafreserven, hier gibt man alles. Das Kraut wuchert hier übrigens ungestört bis an die Oberfläche, wahre Dschungel unter Wasser, durch die man hindurch muss. Naja – es ist eben Wettkampf, dafür schmeckt das Wasser gut.

Die meisten Kämpfe um die Bojen kann ich für mich entscheiden, heute bin ich ziemlich fix. Der Rückweg wird zur Geduldsprobe, denn es geht gegen das Licht auf einem unüberschaubaren Kurzkurs. Andy bringt das vollkommen aus dem Tritt, ich bleibe ruhig und spähe nur nach der Schnittmenge der drei vorigen Schwimmer.

Das klappt alles ganz prima, raus, Zeitnahme, weiter umziehen. Auch das klappt schnell. Hopp, hopp, keuchend aufs Rad. Der Radkurs geht gleich gut los, bergauf, es dauert, bis ich in den richtigen Tritt komme. Bis ich endlich ruhiger atmen kann, sind die ersten 10 Kilometer geschafft. Dann passierts, einen Moment nicht aufgepasst, zu schnell, geträumt und ich sehe mich liegen. Bei 30khm schmiere ich ab, scheuere über den Asphalt, reiße Hand, Ellbogen und Knie hoch, versuche, mit dem Fleisch zu bremsen, klappt, tut aber Hölle weh. Das war mein Bein. Ok – ruhig bleiben. Sammeln, aufkratzen, hoch und gucken, ob was nicht mehr funktioniert. Mein Verfolger fährt „Bescheid sagen“ – ich muss noch mal kurz schnaufen. Weiterfahren?! Ich könnte, gebrochen habe ich mir nichts. Aber wenn ich jetzt doch nen Schock habe? Immerhin bin ich ein Vollzeit Bürotier und kann nicht darauf bauen, dass meine Jäger und Sammlergene noch einwandfrei funktionieren.

Andy schießt heran. Was ist passiert? Wie geht’s? Eh, Alter – mach mal meine Kette wieder drauf, ich fahre weiter! Nee, bist Du bekloppt? Ach ich versuche es bis zum nächsten Streckenposten, dann mal sehen. Du bist verrückt, Du kannst nicht mehr fahren. Und ja, er hat ja recht. Ich trudele zum nächsten Streckenposten und bleibe dann auf der Verkehrsinsel, um auf meine „Retter“ zu warten.

Helfen kann man mir nicht, es geht mir gut, ich habe gefühlte 500 g Haut eingebüßt, blute aber nicht und kann mich auch bewegen. Tut sauweh, kann ich aber keinem vorheulen, denn außer der armen Streckenpostine ist gar keiner da.

Warten, mittlerweile friere ich so vor mich hin. Da ich auf der ganzen Seite wund bin, kann ich mich auch nicht in eine Decke kuscheln. Toll. Also weiterfrieren. Dann muss ich wenigstens nichts kühlen.

Bald kommt dann aber das Helferkommando – gottseidank kein RTW. Also drinnen sitzt ein ehrenamtlicher Arzt, der feststellt, dass er mir auch wenig helfen kann. „Soll ich Jod drauftun?“ „Nee, das brennt, ich hab doch im Auto Beta-IsoD.“ Es sollte noch ewig dauern, bis ich rankomme 😀 Die beiden Kerle fuhren mich lieb zurück, nahmen auch mein Bike mit. Dankbar bin ich dafür…

Dann ab in die Wechselzone, auf den Mann warten, der sich wahrscheinlich schon doll Sorgen macht. Der kam dann auch, ich schildere ihm die Kurzform, dann schicke ich ihn los auf die Laufstrecke, packe meine Sachen und verstaue den Kram im Auto.

Toll, umziehen kann ich mich auch nicht, denn eine kurze Hose habe ich nicht dabei – in eine lange will ich mich nicht quälen. Also weiterfrieren. Das soll mir also eine Lehre sein. Ich bin ziemlich hungrig, komisch, denn bei meinem Anblick vergeht allen anderen der Appetit. Wer den Schaden hat…

So langsam geht mir das Gegaffe auf den Keks. Am Anfang der Zielgeraden positiere ich mich, um Andy anzuholen. Es dauert aber noch eine ganze Weile, bis er um die Ecke gerannt kommt. Ich bin so froh, ihn zu sehen. Jetzt bin ich nicht mehr allein. Ich grabsche nach seiner Hand und renne mit ihm durchs Ziel.

Am Ende bin ich total traurig, nicht doch weitergemacht zu haben, einen Haken hinter den Wettkampf machen zu können. So bleibt dieses Kapitel in meinem Kopf unfertig. Es war sicher vernünftig, aber nicht wirklich befriedigend. Andy hat unter 3 Stunden gefinished und ich bin neidisch. Klar war ich es, die ihm die Zeit verhagelt hat. Aber wir holen den gemeinsamen Erfolg irgendwann nach. Sicher.

Jetzt bleibt mir nur die Genesung. Und ich könnte aus der Haut fahren, denn die Wunde heilt langsam und tut fürchterlich weh. Wieder einmal zeigt sich, dass man einen Wettkampf gefälligst gut gelaunt beginnen soll. Denn noch schrecklicher ist es, gar nicht antreten zu können…

 

Schürfwunde, die obere

Schürfwunde, die obere

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