Vorwärts im Amazonas des Nordens – WAKENITZMAN 2013

Am Wochenende galt es, den endlos langen, grünen, krautigen Fluss zwischen dem Ratzeburger See und der Lübecker Innenstadt hinab zu schwimmen. Über 14 richtig anstrengende lange Kilometer führt das Vergnügen zwischen den nordischen Mangrowenwäldern und inmitten vieler gefährlicher Riesenwelse. Sich einmal im Jahr zu fühlen wie eine Mischung zwischen Chuck Norris und Rüdiger Nehberg – das treibt uns an.
Der liebevoll ausgearbeitete Wettkampf führt von der Fährstation Rothenhusen (Achtung: Man kann hier in der Wakenitz noch stehen) bis zum Naturbad Falkenwiese. Es starten zuerst 50 Einzelschwimmer (jeweils mit einem Begleitkanu inklusive zweier Paddler) und gut eine Viertelstunde später machen sich dann auch die 2-Mann-Staffeln und die 4-Mann-Staffeln auf den Weg – immer auf der Jagd nach den Einzelschwimmern.
Der Wettkampf bedient nicht nur den Breitensport, auch Leistungssportler stellen sich der Herausforderung und so ist es kein Wunder, dass in den Ergebnislisten später auch immer große Lücken klaffen.
Für uns heißt dieser Wettkampf: 4:30 Uhr aufstehen, 5.00 Uhr Abfahrt in HH, 6.00 Uhr Ankunft in Rothenhusen. Dann geht’s auf zum Einchecken und zur Wettkampfbesprechung. Um 8.00 Uhr ertönt die Startfanfare. Die ersten paar hundert Meter werden eng zusammen im Pulk geschwommen. Hier hofft man, dass man sich richtig einsortiert hat und nicht noch ein Brustschwimmer für blaue Flecken an den eigenen Beinchen sorgt.
Das Schwimmen im Pulk ist lästig, aber unvermeidlich – gut, wenn einem da nicht die Pferde durchgehen und man ruhig bleibt. Wir blieben ruhig, behaupteten unsere Position und es blieb sogar Zeit, den eigenen Paddlern zuzuwinken. Die konnten nicht direkt anschließen, sondern bildeten seitlich der Schwimmer aufgereiht einen Channel.
Erst, als sich das Feld zog, konnten die Paddler sich auf die Suche machen, um ihrem Schwimmer den Weg zu weisen. Alles klappte gut.
Wir blieben erst eng zusammen, bis ich mich in das Fahrwasser einer Schwimmerin einhakte, die mir eine Ideallinie vorgab. Ihre Technik war sehr kraftraubend, gut für mich, ich konnte viel Kraft sparen. Die ersten beiden Kilometer waren also schnell und kurzweilig vom Zettel.
Da der erste Staffelwechselpunkt – von den weißen Kilometersteinen erwischte ich auf der ganzen Reise nur einen einzigen und las später „4“. Immerhin. Aber die Staffelwechsel kannte ich ja 😀 und sie waren mit den vielen bunten Farbtupfern auch gut zu sehen. Auf zum nächsten Wechsel. Der Wettkampf flutschte. Ich versuchte, mein Tempo hoch zu halten, denn ich wusste: Später wird’s noch ordentlich hässlich.
Bis zum letzten Wechsel zogen wir gut gelaunt unsere Bahn durch das Unterwasserdickicht, das umso mehr eklig war, weil eben dieses Jahr KEIN Neopren schützte. Dann begann die Arbeit. Die letzten 5km sind so ätzend, dass man gern aufgeben mag. Der Weg ist hässlich, die Gedanken finden keinen optischen Halt mehr, es kam zwischendurch heftiger Seitenwind auf – zum Abgewöhnen. Zwischen den beiden Brücken ging gefühlt gar nichts mehr, wir beiden Schwimmer trieben auf der Stelle in Selbstmitleid und Kraftlosigkeit. Erst an der letzten Brücke ging es wieder.
Nur noch ins Ziel treiben, die Stufen der Treppe hinauf und schon ist die Laune wieder strahlend. GESCHAFFT! Ohne Neo! Ohne Verletzung! Nicht aufgegeben! Toll!
Die Paddler haben einen tollen Job gemacht – und für uns gekämpft, als Dank hat es dieses Jahr mal NICHT geregnet und die Wakenitz zeigte sonnige Seiten.
Zusammen ließen sich nun alle Kinder das Buffett schmecken, und sicherten sich einen schattigen Platz unter den Sonnenschirmen, denn der Planet brannte heftig. Hier wurde auf das Eintreffen aller anderen Schwimmer gewartet. Und gewartet. Es wurde unerträglich. Am Ende hatten wir alle weiche Birnen und brachen das Warten ab – zu lange wurde mit der Siegerehrung gewartet, schließlich waren die Temperaturen drückend und die Aussicht auf die Autobahn treibend, um aufzubrechen.
Zuhause hieß es dann nur noch „Füße hoch – süßes Nichtstun“ – aber nicht, ohne sich vorher alle Andenken vom Körper zu waschen und zu schrubben. Vom Freiwasser hat man deutlich mehr mitgenommen, als hingebracht 😀

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